Stress abschütteln: Was wir vom Hund über unser Nervensystem lernen können

Entspannung am Meer, Stefanie Schnier – Foto © Stefanie Schnier

Hunde können es. Und du auch. Heute Morgen stand ich beim Bäcker in der Schlange und beobachtete einen Hund, der plötzlich anfing zu zittern. Es war nicht kalt. Der Hund wirkte angespannt und offensichtlich gestresst. Dann kam sein Herrchen zurück. Der Hund schüttelte sich einmal kräftig und lief anschließend freudig hinter ihm her. Ich musste lächeln. Denn genau dieses Schütteln kann etwas mit Stressregulation zu tun haben.


Warum zittern wir bei Stress?

Wenn wir Stress erleben, reagiert unser Körper. Unser Nervensystem schaltet in einen Zustand erhöhter Aktivierung. Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol werden ausgeschüttet, Herzschlag und Muskelspannung können sich verändern – unser Körper macht sich bereit, mit der Situation umzugehen.

Bei Tieren lässt sich anschließend häufig beobachten, wie sie sich schütteln, zittern oder körperlich bewegen und danach wieder deutlich entspannter wirken.

Auch wir Menschen kennen solche körperlichen Reaktionen. Vielleicht hast du schon einmal nach einem Schreck gezittert. Oder nach einer aufregenden Situation plötzlich gemerkt, dass deine Hände zittern, deine Knie weich werden oder dein ganzer Körper vibriert.

Unser Körper kann also auf Stress nicht nur mit Gedanken und Gefühlen reagieren – sondern auch ganz körperlich.

Was ist neurogenes Zittern?

Unter neurogenem Zittern versteht man unwillkürliche, körperliche Zitterbewegungen, die im Zusammenhang mit Anspannung und Stress auftreten können. Körperorientierte Ansätze nutzen solche Reaktionen unter anderem, um Menschen dabei zu unterstützen, körperliche Anspannung wahrzunehmen und ihr Nervensystem zu regulieren.

Dabei geht es nicht darum, sich zum Zittern zu zwingen. Viel wichtiger ist, wieder einen Zugang zu den Signalen des eigenen Körpers zu bekommen.Denn genau das verlernen viele von uns. Wir funktionieren. Wir halten durch. Wir reißen uns zusammen. Wir unterdrücken das Zittern, die Tränen, die Wut oder die Erschöpfung und machen einfach weiter.

Bis der Körper irgendwann deutlicher wird. 

Dein Körper weiß oft früher Bescheid als dein Kopf

Vielleicht kennst du das: Du sagst „Alles gut“, während dein Körper längst etwas anderes erzählt.

Du bist erschöpft, machst aber weiter.
Du bist angespannt, merkst es aber erst, wenn der Nacken schmerzt.
Du möchtest eigentlich Nein sagen – und sagst trotzdem Ja.

Gerade bei chronischem Stress kann es hilfreich sein, wieder zu lernen, die eigenen Körpersignale wahrzunehmen und ernst zu nehmen. 

Das ist ein wichtiger Teil meiner Arbeit: nicht nur über das zu sprechen, was dich beschäftigt, sondern auch wahrzunehmen, was dein Körper dazu erzählt.

Stress abschütteln – vielleicht können wir von Hunden etwas lernen

Der Hund heute Morgen hat jedenfalls nicht lange darüber nachgedacht, ob er jetzt „angemessen“ reagieren darf. Er hat gezittert und sich geschüttelt. Und dann ging es weiter.

Wir Menschen sind sicher keine Hunde. Aber vielleicht können wir uns daran erinnern, dass unser Körper mehr Möglichkeiten zur Stressregulation kennt, als wir ihm manchmal zutrauen.

Möchtest du neurogenes Zittern üben?
Neurogenes Zittern hilft dem Nervensystem sich zu regulieren und gehört in den Bereich TRE. Solche Übungen sind weit verbreitet und werden sogar bei Kriegsopfern und Menschen mit PTBS eingesetzt, weil sie so gut helfen.
Wenn du deinen Körper besser verstehen und lernen möchtest, Stresssignale früher wahrzunehmen und dein Nervensystem zu regulieren, begleite ich dich online oder in meiner Praxis in Berlin-Prenzlauer Berg auch mit körperorientierter Arbeit.

Du musst nicht immer nur funktionieren. Du darfst auch wieder spüren.

Wenn du das ausprobieren möchtest, kannst du gerne einen Termin mit mir vereinbaren.

Stefanie Schnier Sonnenuntergang – Foto © Stefanie Schnier

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